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Lärm und Gestank

Als Elektromobilist ist man oft gehalten, seine Position zu rechtfertigen. Der übliche Individualverkehr per Ölverbrennung gilt als die Norm, jede Abweichung erfordert gute Argumente. Diese kleine Polemik dreht den Spieß mal um.

Von Matthias Breust

In einer TV-Reportage fuhr der Redakteur, der eine Art Kreuzzug gegen den Ökowahn führt, mit einer MIA durch Berlin. Leider misslang ihm das Nachladen, und so blieb er ohne Strom liegen. In seinem Beitrag sieht man ihn ein bischen fahren und ein bischen schieben. Man stelle sich vor, jemand leiht ein Benzinauto, vergisst zu tanken und schiebt schließlich nach Hause. Wird ein Zuschauer Mitleid mit diesem armen Kerl haben, der von der Technik überlistet wurde, oder über ihn lachen?

Besonders in der Stadt finden sich viele Verkehrsteilnehmer, für die alle Radfahrer rücksichtslos sind. Sicher gibt es dafür gute Beispiele, aber das pauschale Urteil kann schlechterdings nicht für alle Fahrradfahrer zutreffen. Was, wenn ich den bloßen Ausstoß von CO2 oder die vornehmliche Produktion von Hitze als Unverschämtheit betrachte? Es ist schon erstaunlich, dass man die Unterstützung des elektrischen Fahrens ständig rechtfertigen muss.

Verkehrte Perspektive
Drehen wir den Spieß mal um: Der Verbrennungsmotor wird so heiß, dass er eine Maschine braucht, mit der er gekühlt werden muss. Die Pumpe zur Kühlung muss er auch noch antreiben. Die Temperatur reicht natürlich auch hin, die Insassen des Fahrzeugs warm zu halten. Aber weniger als ein Drittel der Leistung bringt der Antrieb nur auf die Straße. Der Wirkungsgrad beträgt maximal etwa 30% – bei Stop‘n‘Go sogar nur 10 %. Der Glühbirne wurde zum Verhängnis, dass sie nur 5% der verbrauchten Energie in Licht umsetzen konnte. Der elektrische Antrieb dagegen erreicht beim Fahren über 95%.

Der Ottomotor läuft am liebsten mit einer Drehzahl von etwa 2000 U/min – etwa 90 bis 100 km/h. Der beste Aggregatzustand ist „Fahren“. Auch der Verbrauch ist am niedrigsten, wenn der Motor heiß ist. Wird er nicht bewegt, leiden die Schmierungen, die Dichtungen, die Mechaniken. Wenn er nach einer langen Betriebsunterbrechung etwa über den Winter wieder anspringt, wird es eine Weile dauern, bis die Kolben wieder rund laufen. Wenn er überhaupt wieder anspringt.

In der Stadt stehen viele Pkw, die mit einer dicken Schicht aus Harz, Ruß und im Winter Schnee überzogen sind. Man sieht ihnen an, dass sie monatelang nicht bewegt, also nicht gebraucht werden. Trotzdem zahlen ihre Besitzer Steuern und Versicherungen – unabhängig von der Fahrleistung. Nur die Glücklichsten unter ihnen haben einen Elektromotor unter der Haube. Denn der springt garantiert an.

Älter als man glaubt
Der erste Porsche wurde von der Firma Lohner gebaut und hatte einen elektrischen Antrieb. Kaiser Wilhelm besaß drei elektrische Autos – mehr als die Bundeskanzlerin. Und bis 1911 fuhr das schnellste Auto mit Strom. Erst ein Elektromotor – der Anlasser – machte in den 1920ern das Ankurbeln von Ottomotoren überflüssig. Dieser Zugewinn an Komfort war der Durchbruch für Benzinautos. Der Elektromotor hielt den Steigbügel.

So begann ganz nebenbei die Dominanz der Ölindustrie. Die Abhängigkeit vom schwarzen Gold bedeutet z.B. zweifelhafte Regimes mit Reichtümern zu überschütten. Die Besitzer von Ölfeldern müssen nicht einmal in den Abbau ihres Bodenschatzes investieren. Der Käufer stellt sogar die Förderanlagen. Der Öldurst ist mittlerweile so groß geworden, dass der Boden beim Fracking mit Chemie und Druck ausgepresst wird.

Man wird doch mal fragen dürfen, wieso sich die Elektromobilität erklären muss, wenn doch viel gewichtigere Argumente gegen die Verbrennung fossiler Kraftstoffe sprechen.

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